Das „Insekten-Hotel“
|
Mehr ökologische Nistplätze für Wildbienen
Für die Zuchtbienen, die sich über Jahrhunderte ihren festen Platz in der Ökologie erobert haben, ist die zivilisierte Umwelt schwierig geworden. Es sind vor allem die Umweltgifte, die diesen Wesen immer stärker zu schaffen machen. Hinzu kommen die eingeschleppten, aggressiven Viren, so dass sich ihre Überlebenschancen drastisch verringert haben.
Eine alte Weisheit sagt: „Wenn die Bienen sterben, hat auch der Mensch auf Dauer keine Überlebenschance!“ Diese düstere Prophezeiung könnte allerdings vielleicht dann als überholt gesehen werden, wenn es gelingt, die Heerscharen der Wildbienen – die in der menschlichen Betrachtung bisher eher eine Art „Schattendasein“ führten, in ihrer enorm wichtigen Funktion zu erkennen und ganz gezielt vermehrt Nistmöglichkeiten anzubieten, welche diesen Tieren Schutz und Brutstätten bieten. Die vielen Arten von Wildbienen sorgten schon immer in einem bisher kaum gewürdigten Maße für die Befruchtung vielerlei Arten von Blüten. Die oft geäußerten Bedenken, dass Wildbienen stechen, sind unbegründet, denn diese Tiere haben nur einen verkümmerten Stachel. Zu der Armada der Schädlingsbekämpfer in unseren Gärten zählen noch Heerscharen von Wildwespen, Marienkäfer, Schwebfliegen, Florfliegen, Grab-, Schlupf- und Faltenwespen, Ohrwürmer usw. Diesen Nützlingen sollten wir – schon im eigenen Interesse! – geeignete Brut- und Schutzmöglichkeiten anbieten, die sie zum Beginn der Blütensaison, dankbar annehmen werden. Der Platz sollte möglichst abseits von viel Verkehr liegen und vorzugsweise nach Süden ausgerichtet sein. Dort bauen wir, mit vielerlei Material, unser „Insekten-Hotel“ - möglichst vor Regen und zuviel Wind geschützt und vorzugsweise mit haltbaren, gebrauchten Dachplatten. Hochlochziegel und gebündelte Schilfrohrmatten eignen sich besonders gut als Schlaf- und Nistplätze. Günstig sind auch Baumscheiben, in die kleine und größere Bohrlöcher eingebracht werden. Unter dem vor Regen geschützten „Insekten-Hotel“ stellen wir eine kleine Wanne mit Lehm auf, daneben eine „Insekten-Tränke“, damit unsere Schützlinge keine allzuweiten Wege zurücklegen müssen, wenn sie den trockenen Lehm als Mörtel anmischen wollen… Für solche Insektensiedlungen sind Kinder leicht zu begeistern. Es ist sogar ratsam, die Bewachung eines Insekten-Hotels in ihre Obhut zu geben, dadurch fühlen sie sich nicht nur verantwortlich, sondern machen spielerisch ihre Naturbeobachtungen! Beliebt und besonders dekorativ sind auch umgestülpt aufgehängte, unterschiedlich große Tontöpfe, die mit Holzwolle voll gestopft werden. Ein durch das Loch im Topfboden durchgeführter Draht hindert die Holzwolle am Herausfallen! Für die nützlichen Ohrwürmer sind die Töpfe bevorzugt aufgesuchter, idealer Unterschlupf. Sie müssen jedoch so aufgehängt werden, dass sie hängend guten Kontakt zum Insekten-Hotel haben, aber nicht vom Wind dauernd hin und her geschaukelt werden. Unser „Insekten-Hotel“ kann anlässlich der monatlich einmaligen Ökohaus-Führungen gerne besichtigt werden! Eine solide Grundlage zum Bau bietet das praxisnahe Buch: Das Insekten-Hotel, von Wolf Richard Günzel, 156 S. 5.Aufl 2009, ISBN 978-3-895-66234-8, www.pala-verlag.de. Dipl.-Ing. Paulus J. Lehmann |